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Nur vergesslich oder schon dement?

Dieses ist eine von vielen Fragen zum Thema Demenz, die auch die Besucher des DRK Ortsvereins Warmsen und deren Gäste beim Klönnachmittag auf Gehannfors Hof beschäftigte. DRK Kreisverbandsmitarbeiterin und Koordinatorin für Betreuungsangebote bei Demenz Marlies Wienert referierte zu diesem Thema.

Den Schlüssel verlegt, das Portemonnaie nicht finden können, einen Termin vergessen, das kann uns allen passieren und hat nichts mit Demenz zu tun. Tritt allerdings diese Situation ständig auf und kommt eine zeitliche und örtliche Desorientierung hinzu, kann der gewohnte Alltag nicht mehr allein gemeistert werden, dann wird es für Angehörige oder nahestehende Personen Zeit, sich über die veränderte Situation Gedanken zu machen. Der Betroffene selber wird das in den meisten Fällen nicht machen, weil er die Veränderung nicht wahrhaben möchte und häufig für sein „Versagen“ die anderen beschuldigt. Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit Hirnleistungsveränderungen einhergehen. Die bekannteste ist wohl die schon vor 100 Jahren von Dr. Alzheimer beschriebene Krankheit. Weitere Krankheitsbilder, wie z.B. Hirninfarkt, Picksyndrom, Chorea Huntington zählen zu den insgesamt 55 verschiedenen Demenzerkrankungen. Zunehmender Wohlstand und eine stetige Verbesserung der ärztlichen Versorgung begünstigen das Erreichen eines höheren Lebensalters. Älter werden bedeutet eine Zunahme der sogenannten Altersdemenzen. Die komplexen Abläufe im Gehirn haben in der Forschung noch nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Heilung ist zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich. In den Zeiten als drei Generationen in einem Haus lebten, wurde die tüdelige Oma von der Großfamilie versorgt. Heute leben alte Menschen zunehmend allein und benötigen fremde Hilfe. Aber auch dort, wo der Ehepartner oder die Kinder die Pflege übernommen haben, sollte beizeiten an Unterstützung von außen gedacht werden. Demenz verändert nicht nur das Leben der Erkrankten, sondern auch das der Angehörigen. Der Ehepartner muss immer wieder aus seiner Partnerrolle in die Rolle des Pflegers wechseln. Dieser Rollenwechsel führt in häufigen Fällen zu Konflikten. Aggression gehört nicht zwangsläufig zur Demenzerkrankung, sondern entsteht aus der Situation heraus, weiß Wienert zu berichten. Um sich dieses bewusst zu machen, können Angehörigengesprächskreise eine große Hilfe sein. Auch andere vielfältige Angebote für die Erkrankten, wie Tagespflege, stundenweise Betreuung in der eigenen Häuslichkeit, Beschäftigungsnachmittage an verschieden Orten bieten den Angehörigen Entlastung und den Erkrankten Abwechslung. Die Krankheit bringt nicht nur die Vergesslichkeit und Hilfebedürftigkeit bei den täglichen Abläufen, sondern auch den soziale Rückzug, den Weg in die Isolation. Das wiederum bedeutet keine Anregung für das Gehirn und somit ein schnelles Voranschreiten der Demenz. Darum sind Angebote von außen sehr wichtig und werden in der Regel nach anfänglicher Ablehnung von der Erkrankten sehr gut angenommen. Der DRK Ortsverein Warmsen unterstützt das Betreuungsangebot in Verbindung mit dem DRK Kreisverband. Geschulte Helferinnen kommen in die eigene Häuslichkeit der Betroffenen, um die Angehörigen zu entlasten. Ab sofort gibt es im Gehannfors Hof mittwochs von 15.00 - 17.00 Uhr einen besonderen Nachmittag für Menschen mit Demenz.

Ehrenamtliche Helferinnen bereiten die Treffen vor und begleiten die Gäste durch den Nachmittag. Das Zusammensein bei Kaffee und Kuchen mit Singen und vielem mehr regt das Gedächtnis an und fördert das Gemeinschaftsgefühl.

Für Fragen hierzu stehen Ihnen Marlies Wienert unter der DRK Tel.-Nr. 0 50 21 / 90 62 42 und Hanna Hunder vom Ortsverein Warmsen unter Tel. Nr. 0 57 67 /15 05 zur Verfügung.

17. März 2012 19:27 Uhr. Alter: 8 Jahre